Link zum Stück2012 Theater Ingolstadt

Wimmeln

Regie: Julia Mayr, David Williams

Wir erleben eine wunderbare zarte Annäherung zwischen der aus Liebeskummer weinenden Frau und dem Müllmann, der nicht nur auf die Bühne rollende Äpfel, sondern auch das verheulte Taschentuch mit seiner Greifzange zärtlich aufnimmt, mit der er sogar winken kann. Wir sehen in den Fenstern zum Hof Zähneputzen und Rasieren am Morgen oder zwei südländisch temperamentvoll palavernde Frauen. Im Herbst flattert ein Drachen im Wind und Regenschirme tanzen. Wie endlos ist der Schal, den das Mädchen aus dem Fenster zieht, als es Winter wird? Und für die Kinder besonders reizvoll: Es schneit. Schlitten und Skier und wieder das kleine Haus, in das sich alle an Weihnachten mit ihren Geschenken zusammenkuscheln. Weihnachtsbaumkugeln und blühende Zweige mit Vögelchen, auch Ausstatterin Dietlind Konold trägt mit vielen Details zum Charme dieses Wimmelbuchtheaters bei.

Kulturkanal
18.5.2012

Wo anfangen? Mit dem Postboten? Mit seinen Briefen, die Häuser oder Espressotassen statt gewöhnlicher Adressen tragen? Mit dem Luftballonhund, der so kühne Saltos schlagen kann? Mit dem witzigen Wasserrattenballett im Schwimmbad? Mit dem Zeitungsleserchaos auf der Parkbank? Mit Darth Vader in Lederhosen? Mit dem Apfelbutzen-Klauben, das in der ersten Sitzkissenreihe besonderen Anklang findet? Mit dem Winterwunderland, das in einem vielstimmigen Hatschi-Chor explodiert? […] Inspiriert von den Wimmelbuch-Heroen Ali Mitgutsch und Rotraut Susanne Berner haben die Regisseurin und der Choreograf mit nur fünf Schauspielern ein eigenes kleines Wimmlingen entworfen und begleiten dessen Bewohner durch die Jahreszeiten. Und was gibt es da nicht alles zu entdecken hinter den geblümten, gestreiften, karierten Vorhängen der Häuser, die sich so eng aneinanderschmiegen (Ausstattung: Dietlind Konold) […] Sie lenken unseren Blick auf die Details, auf winzige Besonderheiten im Alltag. Und wer das Theater verlässt, sieht die Welt plötzlich mit anderen Augen: Wimmlingen ist überall.

Donaukurier
18.5.2012